Unter den Beschuldigten, denen die Fortführung einer verbotenen Organisation vorgeworfen wird, befinden sich laut übereinstimmenden Medienberichten auch zwei Landtagskandidaten der AfD Sachsen-Anhalt.
Auslöser der großangelegten Polizeiaktion war offenbar eine als privat deklarierte Sonnwendfeier im Juni, die auf dem Grundstück eines der nun beschuldigten AfD-Politiker (Simon L.) stattgefunden haben soll. Ermittler hätten die Zusammenkunft kontrolliert und dabei Personen aus dem Umfeld der verbotenen „Artgemeinschaft“ festgestellt. Berichten zufolge sollen bei dem Treffen germanische Rituale durchgeführt und ein Lied der Hitlerjugend gesungen worden sein.

Der Zeitpunkt der Razzia, so kurz vor der entscheidenden Wahl am 6. September, sorgt für massive politische Spannungen. Die AfD Sachsen-Anhalt wertet den Polizeieinsatz als gezieltes Manöver zur Wahlbeeinflussung. Ulrich Siegmund, der Spitzenkandidat der AfD, zeigte sich im Vorfeld der Wahl bereits alarmiert, dass „irgendwas Schlimmes passiert, was man der AfD in die Schuhe schieben kann“. Er warf politischen Gegnern und weisungsgebundenen Ermittlungsbehörden vor, kurz vor dem Urnengang Schmutzkampagnen zu inszenieren und in der Privatsphäre von Kandidaten zu wühlen, da sie der AfD inhaltlich nichts entgegenzusetzen hätten. Unterstützer der Partei streuten zudem Spekulationen, es könnte sich bei den inkriminierten Handlungen auf der Feier um die Aktion eines „V-Mannes“ (Provokateur des Verfassungsschutzes) gehandelt haben.
Aus dem Umfeld der CDU und der amtierenden Landesregierung unter Ministerpräsident Sven Schulze wurden diese Vorwürfe entschieden zurückgewiesen. Behörden betonen die Unabhängigkeit der Justiz und verweisen auf den ernsthaften Anfangsverdacht der Fortführung einer verfassungsfeindlichen und rechtsextremen Gruppierung, der ein konsequentes Eingreifen unumgänglich mache.
Der Vorgang verschärft das ohnehin extrem polarisierte Klima im Wahlkampf in Sachsen-Anhalt weiter. Die AfD, die in Umfragen auf dem ersten Platz liegt, nutzt den Vorfall, um sich als Opfer eines politisch instrumentalisierten Staatsapparates zu inszenieren. Die politischen Mitbewerber sehen in den Ermittlungen hingegen einen weiteren Beleg für tiefgreifende rechtsextreme Verstrickungen innerhalb der AfD-Strukturen.
