Im Zentrum der Kontroverse steht die Vergangenheit ihres Ehemanns, David Seidlitz, der in den 1990er-Jahren nachweislich Teil der rechtsextremen Szene war.

Die AfD wirft Sziborra-Seidlitz, die sich politisch stark im Kampf gegen Rechts positioniert und der AfD wiederholt Rechtsextremismus vorwirft, eine eklatante Doppelmoral vor. In Wahlkampfvideos und auf Social Media attackieren AfD-Vertreter die Grünen-Politikerin massiv. Sie sei eine moralische Heuchlerin, da sie einerseits die AfD pauschal abwerte, aber andererseits das Leben mit einem Mann teile, der sich jahrelang in Neonazi-Kreisen bewegt habe.
Der Hintergrund: David Seidlitz, der heute als Regionalgeschäftsführer für die Grünen in Sachsen-Anhalt tätig ist, wurde bereits in antifaschistischen Publikationen aus dem Jahr 1995 als Teil eines neonazistischen Netzwerkes in Quedlinburg aufgeführt. Der Sachverhalt ist seit längerem bekannt und führte bereits 2022 zu Auseinandersetzungen im Landtag. Sziborra-Seidlitz verteidigte ihren Ehemann damals im Plenum. Sie räumte ein, dass er in der âpolarisierten Jugendkulturâ der 90er Jahre mit Personen aus dem rechten Milieu befreundet gewesen sei, bestritt jedoch eine führende Rolle ihres Mannes und betonte, er sei heute ein âlupenreiner Demokratâ.

Der Fall zog in der Vergangenheit bereits juristische Konsequenzen nach sich: Sziborra-Seidlitz ging erfolgreich vor Gericht gegen AfD-Politiker vor, die ihren Mann in einem Bürgerdialog unzulässig als aktuellen âNeonaziâ bezeichneten. Zulässig ist hingegen die Bezeichnung als âEx-Neonaziâ.
Die aktuelle mediale Wiederbelebung des Themas durch die AfD und ihr nahestehende Kommentatoren ist strategisch motiviert. Die AfD sieht sich im Wahlkampf einer ständigen medialen Prüfung der Vergangenheit ihrer eigenen Mitarbeiter (wie etwa ehemaligen Verbindungen zur HDJ) ausgesetzt. Mit dem Fall Seidlitz versucht die Partei nun, die Grünen an den eigenen MaÃstäben zu messen und einen doppelten Standard der Medien anzuprangern. âDie Vergangenheit ist nur interessant, wenn es die Falschen betrifftâ, so der Tenor der Kampagne.
Während die AfD den Fall nutzt, um im Endspurt für ihre groÃe Wahlkampf-Abschlussveranstaltung (das âFamilienfest der Vision 2026â in Magdeburg) zu mobilisieren, gerät die Grünen-Kandidatin in die Defensive und sieht sich veranlasst, die demokratische Läuterung ihres Ehemanns immer wieder zu betonen.
