Krone-Schmalz kritisiert Europas Russlandpolitik – und stellt die Darstellung des von-der-Leyen-Flugs infrage
Gabriele Krone-Schmalz sorgt mit ihrer Kritik an der europäischen Russlandpolitik erneut für eine kontroverse Debatte. Im Mittelpunkt ihrer Argumentation stehen die öffentliche Wahrnehmung der russischen Bedrohung, die Rolle der Medien und ein Vorfall um Ursula von der Leyens Flug nach Bulgarien.
Krone-Schmalz stellt grundsätzlich infrage, wie politische Bedrohungsszenarien kommuniziert werden. Ihrer Auffassung nach müsse zwischen einer realen sicherheitspolitischen Gefahr und politischen Darstellungen unterschieden werden, die Ängste in der Bevölkerung verstärken könnten.
Besonders kritisch betrachtet sie Aussagen, wonach Deutschland „kriegstüchtig“ werden müsse und sich die Bevölkerung auf mögliche Konflikte vorbereiten solle. Sie verbindet diese Debatte mit der Frage, ob Bürger informiert oder gezielt von bestimmten politischen Positionen überzeugt werden sollen.
Dabei argumentiert Krone-Schmalz, demokratische Regierungen müssten ihre Entscheidungen gegenüber der Bevölkerung begründen. Sie lehnt nach eigener Darstellung ein Verständnis ab, bei dem Bürger lediglich von der Notwendigkeit bestimmter politischer Maßnahmen überzeugt werden sollen.
Ihre Kritik richtet sich auch gegen die Darstellung Russlands als potenzieller militärischer Gegner. Sie verweist auf einen vermeintlichen Widerspruch zwischen der Beschreibung Russlands als wirtschaftlich und militärisch geschwächtem Staat und gleichzeitig weitreichenden Szenarien einer möglichen Bedrohung europäischer NATO-Staaten.
Diese Gegenüberstellung ist allerdings eine politische Interpretation. NATO-Dokumente bewerten Russland weiterhin als die bedeutendste und unmittelbarste Bedrohung für die Sicherheit ihrer Mitgliedstaaten und begründen damit unter anderem den Ausbau der Abschreckungs- und Verteidigungsfähigkeit.
Die NATO verweist dabei nicht nur auf die russischen Streitkräfte, sondern auch auf Cyberangriffe, hybride Aktivitäten, Luftraumverletzungen und andere sicherheitspolitische Entwicklungen. Krone-Schmalz setzt dieser Einschätzung eine grundsätzlich skeptischere Bewertung der russischen Fähigkeiten und Absichten entgegen.
Damit prallen zwei unterschiedliche sicherheitspolitische Perspektiven aufeinander. Während die NATO von einer langfristigen Bedrohung ausgeht, warnt Krone-Schmalz davor, aus möglichen Szenarien politische Gewissheiten zu machen und dadurch die öffentliche Wahrnehmung des Konflikts zu verändern.
Besondere Aufmerksamkeit widmet Krone-Schmalz einem Vorfall aus dem September 2025. Damals geriet ein Flugzeug mit EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen beim Anflug auf Plowdiw in Bulgarien in eine Störung der satellitengestützten Navigation.
Die Europäische Kommission bestätigte später, dass es tatsächlich zu einer GPS-Störung gekommen war. Nach Angaben der bulgarischen Behörden meldete die Besatzung den Ausfall, anschließend wurde das Flugzeug mithilfe des Instrumentenlandesystems sicher nach Plowdiw geführt.
Damit ist ein wichtiger Teil der ursprünglichen Berichterstattung durchaus bestätigt: Es gab eine Störung der GPS-Navigation. Gleichzeitig unterscheidet sich dieser Sachverhalt von der besonders dramatischen Darstellung, wonach die Maschine eine Stunde über dem Flughafen kreisen und schließlich ausschließlich mit Papierkarten landen musste.
Reuters berichtete unmittelbar nach dem Vorfall, dass bulgarische Behörden einen Verdacht auf russische Einflussnahme geäußert hatten. Gleichzeitig war zunächst nicht unabhängig bestätigt, wer für die Störung verantwortlich war. Russland äußerte sich damals nicht zu dem Vorwurf.
Die spätere Darstellung der Europäischen Kommission bestätigt außerdem, dass die Landung nicht durch einen vollständigen Ausfall aller Navigationsmöglichkeiten gefährdet war. Das vorhandene Instrumentenlandesystem ermöglichte den Piloten eine sichere Landung in Plowdiw.
Gerade dieses Beispiel zeigt, wie sich eine reale sicherheitspolitische Meldung und ihre öffentliche Interpretation voneinander unterscheiden können. Eine GPS-Störung kann erheblich sein, ohne dass daraus automatisch sämtliche dramatischen Details früherer Medienberichte bestätigt werden.
Krone-Schmalz verwendet den Vorgang deshalb als Beispiel für ihre grundsätzlichere Kritik an der politischen Kommunikation. Ihrer Argumentation zufolge können einzelne Meldungen dazu beitragen, ein bestimmtes Bedrohungsbild zu verstärken, selbst wenn spätere Korrekturen weniger Aufmerksamkeit erhalten.
Der Vorwurf einer gezielten „Propaganda“ lässt sich aus diesem einzelnen Vorgang allerdings nicht ableiten. Dafür wären belastbare Belege über Absichten, redaktionelle Entscheidungsprozesse und eine systematische Koordination erforderlich. Die journalistische Bewertung einzelner Fehler muss von einem solchen Vorwurf getrennt werden.
Ein weiterer Schwerpunkt ihrer Argumentation betrifft die wirtschaftliche Dimension des Krieges. Krone-Schmalz verweist auf die steigenden Verteidigungsausgaben und auf Unternehmen, die von der wachsenden Nachfrage nach militärischer Ausrüstung profitieren.
Dass die europäische Rüstungsindustrie angesichts höherer Verteidigungsausgaben expandiert, ist dokumentiert. Die NATO hat ihre Mitgliedstaaten zu erheblich höheren Verteidigungsinvestitionen verpflichtet und gleichzeitig den Ausbau der europäischen und nordamerikanischen Produktionskapazitäten angekündigt.
Daraus folgt jedoch nicht automatisch, dass wirtschaftliche Interessen die eigentliche Ursache politischer Entscheidungen sind. Ein solcher Zusammenhang müsste anhand konkreter Entscheidungsprozesse, Lobbykontakte und nachweisbarer Einflussnahme untersucht werden.
Gerade an diesem Punkt wird die politische Stoßrichtung der Rede deutlich. Krone-Schmalz stellt die Frage, ob steigende Verteidigungsausgaben ausschließlich als notwendige Reaktion auf Sicherheitsbedrohungen verstanden werden sollten oder ob auch wirtschaftliche Interessen stärker berücksichtigt werden müssen.
Ihre Kritik verbindet damit zwei Ebenen: die Frage nach der tatsächlichen militärischen Bedrohung und die Frage nach den wirtschaftlichen Folgen einer veränderten europäischen Sicherheitspolitik. Beide Themen sind voneinander zu unterscheiden, können sich politisch aber gegenseitig beeinflussen.
Auch die Stationierung deutscher Truppen in Litauen spielt in der Argumentation eine Rolle. Tatsächlich hat Deutschland seine militärische Präsenz an der NATO-Ostflanke deutlich verstärkt. Die Bundeswehr baut dort dauerhaft eine Brigade auf, die Teil der NATO-Verteidigungsplanung ist.
Die Behauptung, diese Stationierung widerspreche eindeutig dem Zwei-plus-Vier-Vertrag, ist dagegen ohne nähere juristische Begründung nicht als Tatsache zu übernehmen. Die deutsche Präsenz in Litauen erfolgt innerhalb der NATO-Strukturen und wird von der Bundesregierung als Beitrag zur Bündnisverteidigung dargestellt.
Damit zeigt sich erneut die zentrale Trennlinie der Debatte: Auf der einen Seite stehen überprüfbare militärische Maßnahmen und sicherheitspolitische Entscheidungen, auf der anderen Seite ihre politische Interpretation und Bewertung.
Krone-Schmalz fordert vor diesem Hintergrund eine kritischere Betrachtung etablierter Narrative. Sie sieht insbesondere die Gefahr, dass politische Begriffe und wiederholte Bedrohungsszenarien die öffentliche Wahrnehmung langfristig prägen können.
Ihre Kritiker würden dagegen darauf verweisen, dass die Sicherheitsbedrohung durch Russland nicht lediglich aus politischen Aussagen besteht. NATO und ihre Mitgliedstaaten begründen ihre verstärkte Verteidigungspolitik mit konkreten Entwicklungen seit der russischen Invasion der Ukraine sowie mit weiteren militärischen und hybriden Aktivitäten.
Die Kontroverse lässt sich deshalb nicht auf die Frage reduzieren, ob Russland „stark“ oder „schwach“ sei. Entscheidend ist vielmehr, welche Fähigkeiten Russland besitzt, welche politischen Absichten ihm zugeschrieben werden, welche Szenarien als plausibel gelten und auf welcher Grundlage Regierungen ihre Vorsorge treffen.
Auch die Medien spielen in dieser Auseinandersetzung eine zentrale Rolle. Gerade bei sicherheitspolitischen Ereignissen müssen Erstmeldungen häufig auf begrenzten Informationen beruhen. Entscheidend ist deshalb, ob spätere Erkenntnisse sichtbar korrigiert und unterschiedliche Einschätzungen transparent dargestellt werden.
Der Fall des von-der-Leyen-Flugs liefert hierfür ein konkretes Beispiel. Die GPS-Störung war real und wurde offiziell bestätigt; zugleich mussten einzelne dramatische Elemente der ursprünglichen Darstellung differenzierter betrachtet werden. Genau diese Differenzierung ist für eine sachliche Berichterstattung entscheidend.
Am Ende bleibt damit eine politische Debatte über Sicherheit, Medien und wirtschaftliche Interessen. Krone-Schmalz fordert einen skeptischeren Blick auf die Darstellung Russlands und warnt vor einer öffentlichen Mobilisierung durch Angst. Ihre Interpretation steht jedoch einer deutlich anderen Einschätzung der NATO gegenüber.
Die offene Frage lautet daher nicht nur, wie groß die russische Bedrohung tatsächlich ist. Ebenso wichtig ist, wie Regierungen, Militärbündnisse und Medien ihre Einschätzungen begründen und wie transparent sie zwischen gesicherten Fakten, möglichen Szenarien und politischen Bewertungen unterscheiden.
Gerade in einer zunehmend polarisierten Sicherheitsdebatte dürfte diese Unterscheidung an Bedeutung gewinnen. Der Streit um Krone-Schmalz und Ursula von der Leyen ist damit Teil einer größeren Auseinandersetzung darüber, wie demokratische Gesellschaften über Krieg, Abschreckung und mögliche Bedrohungen informiert werden sollten.
