Der Holocaust zählt zu den dunkelsten Kapiteln der Menschheitsgeschichte und war geprägt von extremer Verfolgung und massenhaftem Leid. Unter den vielen Personen, die im nationalsozialistischen Lagersystem tätig waren, wird Herta Ehlert (geboren als Herta Liess am 26. März 1905) häufig diskutiert, weil ihre Rolle umstritten ist und schwierige Fragen zu Verantwortung, Zwang und Entscheidung aufwirft. Sie diente als weibliche Aufseherin in mehreren Konzentrationslagern, darunter Ravensbrück, Majdanek, Auschwitz und Bergen-Belsen. Dieser Text fasst Herkunft, Kriegseinsätze, Prozess und das spätere Leben in einer verständlichen, nicht reißerischen Form zusammen.
Frühes Leben und Eintritt in den Lagerdienst
Vor dem Krieg arbeitete Ehlert als Bäckereigehilfin. Am 15. November 1939 kam sie über das System des Arbeitsamts in einen SS-nahen Dienst. Später stellte sie sich als zugewiesen und nicht als freiwillig dar und betonte, ihre Tätigkeit sei erzwungen gewesen. Ihre erste Station war Ravensbrück, ein Frauen-Konzentrationslager, wo sie zunächst niedrigere Aufgaben übernahm und später Arbeitskommandos beaufsichtigte.
Ehlerts Darstellung, sie sei wiederholt wegen angeblicher „Nachsicht“ bestraft worden, wird von anderen Darstellungen angezweifelt. So werden etwa Versetzungen und mit späteren Posten verbundene bessere Bedingungen bisweilen als schwer vereinbar mit einem dauerhaften Sanktionsnarrativ gesehen. Diese Diskrepanz zwischen Selbstdarstellung und anderen Angaben ist ein Kernpunkt der Kontroverse.
Stationen in den Lagern und berichtetes Verhalten
Im Verlauf des Krieges war Ehlert in mehreren Lagern eingesetzt. Jede Versetzung führte sie in Umgebungen, die von harter Kontrolle, Entbehrung und routinemäßigen Misshandlungen der Gefangenen geprägt waren.
Für Majdanek (ab 1942) erklärte Ehlert später, die Versetzung sei eine Disziplinarmaßnahme gewesen. In Zeugenaussagen und späteren Prozessdiskussionen wurde jedoch teils argumentiert, dass die Verlegung möglicherweise nicht in dem Sinne eine „Strafe“ war, wie sie es darstellte.
Mitte 1944 war sie in Płaszów (bei Krakau). Nachkriegszeugnisse von Überlebenden beschrieben sie als strenge und einschüchternde Aufseherin, die mit harter Beaufsichtigung und aufdringlichen Durchsuchungen nach Wertgegenständen in Verbindung gebracht wurde. Diese Schilderungen stehen im starken Gegensatz zu Ehlerts späteren Bemühungen, sich als zurückhaltend oder „hilfsbereit“ zu präsentieren, und beeinflussen die Bewertung ihrer Rolle.
Später war Ehlert in Auschwitz und im Außenlager Rajsko eingesetzt, wo sie weibliche Arbeitskommandos beaufsichtigte. Ihre letzte Station war Bergen-Belsen, wo sie in einer gehobenen Unterstützungsfunktion tätig war, während sich die Bedingungen gegen Kriegsende dramatisch verschlechterten. Bergen-Belsen wurde aufgrund katastrophaler Überfüllung und massenhaften Sterbens durch Hunger und Krankheiten berüchtigt.
Der Belsen-Prozess und das Urteil
Nach der Befreiung von Bergen-Belsen 1945 wurde Ehlert von britischen Behörden festgenommen und im Rahmen des Belsen-Prozesses angeklagt. Vor Gericht bestritt sie viele Vorwürfe, darunter Diebstahl und eine direkte Beteiligung an extremer Gewalt. Das Gericht verurteilte sie wegen Verbrechen im Zusammenhang mit Bergen-Belsen; in Bezug auf Auschwitz wurde sie nicht verurteilt. Sie erhielt eine Haftstrafe von 15 Jahren, später auf 12 Jahre reduziert, und wurde am 7. Mai 1953 vorzeitig entlassen.
Der Fall zeigt, wie schwierig die strafrechtliche Aufarbeitung nach dem Krieg war: Viele Angeklagte hatten innerhalb eines missbräuchlichen Systems reale Macht, doch konkrete Einzeltaten ließen sich Jahre später oft nur schwer belegen, besonders bei lückenhaften Unterlagen und unterschiedlichen Zeugenaussagen.
Nachkriegszeit und Einordnung
Nach der Haft heiratete Ehlert erneut und lebte unter dem Namen Herta Naumann. Sie starb am 4. April 1997 im Alter von 92 Jahren. Dass zahlreiche ehemalige Lagerangehörige in die Gesellschaft zurückkehren konnten, bleibt für Überlebende, Angehörige und Forschende ein schmerzhafter Aspekt der Holocaustgeschichte.
Über Herta Ehlert wird häufig gesprochen, nicht um zu schockieren, sondern um zu verstehen, wie ein Verfolgungssystem durch Tausende von Menschen funktionierte — einige unter Zwang, andere aus Anpassung, andere aus Eigeninteresse, und viele, die später ihre Unschuld beteuerten. Solche Fälle sorgfältig zu prüfen, gehört zur historischen Auseinandersetzung und erinnert daran, wie wichtig der Schutz der Menschenrechte ist, damit sich derartige Verbrechen nicht wiederholen.
