⚠️ HINWEIS: Sensibler historischer Inhalt (Zweiter Weltkrieg)
Dieser Text behandelt die Verhaftung, das Verfahren und die Hinrichtung eines Mitglieds der französischen Résistance während der nationalsozialistischen Besatzung. Er dient der historischen Bildung und dem Gedenken und fördert weder Gewalt noch Hass.
France Bloch-Sérazin (1913–1943): Eine Chemikerin in der französischen Résistance
France Bloch-Sérazin war eine französische Chemikerin und Résistance-Kämpferin, deren Geschichte die Risiken zeigt, denen Zivilisten unter der Besatzung ausgesetzt waren.
Sie wurde in Paris in eine Familie jüdischer Intellektueller geboren, studierte Chemie an der Sorbonne und schloss 1934 ihr Studium ab. Nach Kriegsausbruch engagierten sie und ihr Ehemann Frédérick (auch Frédéric geschrieben) sich in Résistance-Netzwerken. Während ihr Mann bei der Organisation von Aktionen mitwirkte, brachte France ihre wissenschaftlichen Kenntnisse ein und richtete in ihrer kleinen Pariser Wohnung am Quai de la Tournelle ein unauffälliges Labor ein. Mit gewöhnlichen Materialien, die trotz strenger Rationierung beschafft wurden, stellte sie Bestandteile her, die später bei Sabotageakten gegen von den Deutschen kontrollierte Transporte und Infrastruktur eingesetzt wurden.

Am 31. Dezember 1941 durchsuchte die Gestapo die Wohnung, verhaftete sie und beschlagnahmte Ausrüstung sowie Materialien. Nach Verhören und Haft in den Gefängnissen Fresnes und La Santé wurde sie Ende 1942 nach Deutschland überstellt – im Rahmen des Erlasses „Nacht und Nebel“, einer Politik, die Widerständige spurlos verschwinden lassen sollte.
Am 12. Februar 1943 wurde sie in Hamburg von einem Militärgericht zum Tode verurteilt. Die Hinrichtung erfolgte am 26. Februar 1943 im Alter von 29 Jahren. Spätere Berichte von Gefängnismitarbeitern beschrieben sie als gefasst in ihren letzten Momenten und erwähnen, dass sie anderen Gefangenen Mut zusprach.
France Bloch-Sérazin wird häufig als die einzige bekannte Französin genannt, die während der Besatzungszeit in Deutschland durch die Guillotine hingerichtet wurde.
Ihr Ehemann wurde 1942 hingerichtet. Ihre kleine Tochter Claudie überlebte den Krieg im Versteck und wurde später wieder mit der Familie zusammengeführt.
An France Bloch-Sérazin zu erinnern bedeutet nicht, Hass zu nähren, sondern den moralischen Mut derjenigen zu würdigen, die sich Unterdrückung widersetzten – oft still und unter höchstem persönlichen Risiko – und darüber nachzudenken, wie wichtig der Schutz von Menschenrechten und Würde ist.
Offizielle & seriöse Quellen
Archives Nationales de France – Dossier BB/18/3372 (Gerichtsunterlagen)
Weitz, Margaret Collins – Sisters in the Resistance (John Wiley & Sons, 1995)
Schwartz, Paula – „Femmes de l’ombre: la Résistance féminine“ in Revue d’histoire de la Deuxième Guerre mondiale (1985)
Service Historique de la Défense – Vincennes, Akte GR 28 P 4 178 (Résistance-/Chemie-Einheiten)
Mémorial de la Shoah, Paris – Personenakte zu France Bloch-Sérazin
