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Annalena Baerbock wechselt an die Columbia University – und soll globale Führung lehren

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Annalena Baerbock steht vor einem neuen beruflichen Kapitel. Nach dem Ende ihrer Amtszeit als Präsidentin der UN-Generalversammlung übernimmt die ehemalige deutsche Außenministerin eine Lehrtätigkeit an der Columbia University in New York. Die Universität bestätigte die Personalie am 25. August 2026 offiziell.

Baerbock wird an der School of International and Public Affairs, kurz SIPA, als „Professor of Professional Practice“ tätig sein. Gleichzeitig übernimmt sie gemeinsam mit Yumiko Shimabukuro die Funktion einer Fakultätsdirektorin des Masterprogramms „MPA in Global Leadership“.

Damit wird Baerbock künftig ausgerechnet zu einem Thema unterrichten, das im Zentrum ihres bisherigen politischen Werdegangs steht: internationale Politik und globale Führung. Die Columbia University beschreibt das Programm als zehnmonatigen Studiengang für erfahrene Führungskräfte mit mehr als zehn Jahren Berufserfahrung.

Der Titel „Professor of Professional Practice“ ist dabei nicht mit einer klassischen wissenschaftlichen Professur gleichzusetzen. Die Position richtet sich an erfahrene Praktiker aus Politik, Verwaltung oder anderen Bereichen, die ihre beruflichen Erfahrungen in die Lehre einbringen.

Baerbock verfügt tatsächlich über eine langjährige politische Laufbahn. Sie war von Dezember 2021 bis Mai 2025 deutsche Außenministerin, zuvor Bundestagsabgeordnete und gemeinsam mit Robert Habeck Vorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen.

Seit September 2025 steht sie außerdem an der Spitze der 80. Sitzung der UN-Generalversammlung. Ihre Amtszeit endet mit dem Abschluss dieser Sitzungsperiode am 8. September 2026. Anschließend übernimmt der bangladeschische Diplomat Khalilur Rahman die Präsidentschaft der 81. Generalversammlung.

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Bildunterschrift: Annalena Baerbock übernimmt nach ihrer Amtszeit bei den Vereinten Nationen eine Lehrposition an der Columbia University.
Bildnachweis: United Nations / Columbia University.

Der Wechsel nach New York ist insofern bemerkenswert, als Baerbock damit ihre internationale politische Tätigkeit unmittelbar in eine akademisch geprägte Lehrtätigkeit überführt. Columbia begründet die Berufung mit ihrer Erfahrung auf höchster Ebene nationaler und internationaler Politik. (Columbia SIPA)

Baerbock soll an der Columbia University drei neue Lehrveranstaltungen in ihrem Fachgebiet übernehmen. Die Universität nennt dabei ausdrücklich ihre Erfahrungen als deutsche Außenministerin und Präsidentin der UN-Generalversammlung als Grundlage für ihre neue Rolle.

Das MPA-Programm selbst ist auf sogenannte Mid-Career-Professionals zugeschnitten. Die Teilnehmer sollen bereits umfangreiche Berufserfahrung mitbringen und ihre strategischen, analytischen und politischen Führungskompetenzen weiterentwickeln.

Die Wahl Baerbocks passt damit grundsätzlich zum Konzept des Studiengangs. Columbia setzt dort bewusst auf Personen mit praktischer Erfahrung in Politik und internationalen Organisationen. Das Programm verbindet akademische Ausbildung mit Erfahrungen aus Regierungen, internationalen Institutionen und anderen Bereichen.

Politisch dürfte die Personalie dennoch kontrovers diskutiert werden. Baerbocks Amtszeit als Außenministerin war von zahlreichen Debatten über Deutschlands Russland-, Ukraine-, China- und Nahostpolitik geprägt. Ihre Kritiker bewerten insbesondere Teile dieser Außenpolitik deutlich negativer als ihre politischen Unterstützer.

Solche politischen Bewertungen sind jedoch von der Entscheidung der Columbia University zu trennen. Die Hochschule hat Baerbock nicht als klassische Wissenschaftlerin mit einer Forschungsprofessur berufen, sondern ausdrücklich als erfahrene politische Praktikerin. Genau für solche Profile existiert die Kategorie „Professor of Professional Practice“.

Auch die Behauptung, Baerbock habe keinen akademischen Hintergrund, wäre zu pauschal. Nach Angaben der Vereinten Nationen studierte sie Politikwissenschaft an der Universität Hamburg und erwarb anschließend einen Master of Laws an der London School of Economics.

Ihr neuer Aufgabenbereich ist deshalb nicht als wissenschaftliche Belohnung für eine akademische Karriere zu verstehen. Vielmehr soll sie ihre Erfahrungen aus Außenpolitik, internationaler Diplomatie und multilateralen Institutionen an Studierende weitergeben.

Besonders relevant ist dabei ihre Erfahrung bei den Vereinten Nationen. Während ihrer Präsidentschaft der Generalversammlung beschäftigte sie sich unter anderem mit Fragen der internationalen Zusammenarbeit, der Reform der Organisation und der angespannten Finanzlage der Vereinten Nationen.

Im Juni 2026 leitete Baerbock beispielsweise die Beratungen über eine Reform der UN-Finanzregeln. Die Generalversammlung verabschiedete dabei eine Regelung, die nach ihren Angaben unter anderem die finanzielle Stabilität der Organisation verbessern sollte.

Auch ihre Rolle bei der Auswahl des künftigen UN-Generalsekretärs gehörte zu ihren Aufgaben. Im Juni leitete sie mehrere Dialogveranstaltungen mit Kandidaten, bei denen deren Führungsqualitäten, Reformvorstellungen und Erfahrungen diskutiert wurden.

Damit bringt Baerbock durchaus konkrete Erfahrungen mit, die für einen Studiengang über globale Führung relevant sind. Ob diese Erfahrungen überzeugend vermittelt werden können und wie Studierende ihre politische Bilanz bewerten, wird allerdings erst die praktische Arbeit an der Universität zeigen.

Die Columbia University selbst sieht die Personalie als Teil einer größeren Erweiterung ihrer Fakultät für das akademische Jahr 2026/27. Neben Baerbock werden weitere Wissenschaftler und politische Praktiker in unterschiedlichen Funktionen an die Schule berufen.

Auch der Zeitpunkt ist bemerkenswert. Baerbock wechselt nicht nach dem Ende einer klassischen politischen Laufbahn vollständig aus der internationalen Politik heraus. Stattdessen bleibt sie über Lehre und internationale Netzwerke weiterhin in einem Umfeld aktiv, das eng mit ihrer bisherigen Arbeit verbunden ist.

Damit verändert sich vor allem ihre Rolle: Aus der politischen Entscheidungsträgerin wird eine Vermittlerin politischer Erfahrungen. Statt selbst Außenpolitik zu gestalten, wird sie künftig mit Studierenden über internationale Herausforderungen, Führung und politische Entscheidungsprozesse arbeiten.

Die kontroverse Bewertung ihrer bisherigen Politik wird dadurch allerdings nicht verschwinden. Für ihre Unterstützer bietet die Berufung die Möglichkeit, internationale politische Erfahrung an die nächste Generation weiterzugeben. Kritiker dürften dagegen hinterfragen, ob Baerbocks politische Bilanz eine solche Rolle rechtfertigt.

Fest steht jedoch: Die Behauptung, Baerbock sei lediglich „zur Professorin befördert“ worden, greift zu kurz. Columbia hat eine konkrete Position geschaffen beziehungsweise besetzt, die ausdrücklich auf beruflicher Erfahrung außerhalb der klassischen Wissenschaft basiert.

Ebenso wenig lässt sich belegen, dass die Berufung mit Baerbocks politischen Positionen zum Nahostkonflikt oder mit einer angeblich besonderen Nähe zu bestimmten politischen Gruppen zusammenhängt. Für solche Behauptungen gibt es in den offiziellen Angaben der Universität keine Grundlage.

Die Personalie bleibt dennoch politisch interessant. Eine ehemalige deutsche Außenministerin und amtierende Präsidentin der UN-Generalversammlung wird künftig an einer der renommierten US-Universitäten über globale Führung lehren. Damit setzt Baerbock ihre internationale Karriere in einem neuen institutionellen Umfeld fort.

Ob diese zweite Karriere langfristig ähnlich kontrovers bewertet werden wird wie ihre politische Laufbahn, lässt sich heute nicht seriös vorhersagen. Sicher ist nur: Mit dem Wechsel zur Columbia University bleibt Annalena Baerbock auch nach ihrem Abschied aus dem Amt der UN-Generalversammlungspräsidentin eine international sichtbare politische Akteurin.

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