In seiner Rede warf Siegmund der Ampel-Koalition und insbesondere der SPD, den Grünen und der Linkspartei vor, das Bürgergeld als “Schritt in Richtung bedingungsloses Grundeinkommen” und als “Ausverkauf unseres Wohlstands” zu konzipieren. Er argumentierte anhand einer Beispielrechnung, dass die Schere zwischen dem Einkommen von Geringverdienern (wie einer alleinerziehenden Verkäuferin) und den Sozialleistungen für Nicht-Arbeitende immer kleiner werde. Laut seiner Kalkulation bleibe einer arbeitenden Verkäuferin nach Abzug von Fixkosten wie Miete, Energie und Auto nur unwesentlich mehr Geld als beim Bezug von Bürgergeld, bei dem diese Kosten vom Steuerzahler übernommen würden. Siegmund forderte ein klares Bekenntnis zum Leistungsgedanken: „Jemand, der arbeiten geht, muss immer mehr Geld zur Verfügung haben als jemand, der nicht arbeiten gehen möchte.“ Er kritisierte zudem scharf, dass etwa die Hälfte der Bezieher von Hartz IV/Bürgergeld keine deutsche Staatsbürgerschaft besäßen und Asylbewerber die gleichen Leistungen wie jahrzehntelange Beitragszahler erhielten.

Besonders hart griff der AfD-Politiker auch die FDP an, der er vorwarf, die Politik der Regierung aus reinem “Machterhalt” mitzutragen und damit die eigenen freiheitlichen Ideale und die Leistungsträger der Gesellschaft zu verraten.
Auf die Rede reagierten Vertreter der anderen Fraktionen teils hoch emotional. Ein FDP-Politiker konterte den Vorwurf des Wortbruchs bei den Freiheitsrechten mit der rhetorischen Frage, ob es in Sachsen-Anhalt seit der Regierungsbeteiligung der FDP 2021 noch einen Corona-Lockdown gegeben habe. Siegmund wies dies mit dem Hinweis auf die einrichtungsbezogene Impfpflicht und 2G-Regelungen zurück.
Einen regelrechten Eklat gab es nach dem Einwurf einer Grünen-Abgeordneten. Sie warf Siegmund vor, den Landtag nicht für ernsthafte Auseinandersetzungen, sondern für ein “Politikschauspiel für TikTok” zu nutzen, und bezichtigte ihn der Verbreitung von “Fake News”. Zudem kritisierte sie Siegmunds Darstellung, dass Menschen aus Faulheit nicht arbeiten gingen; das Arbeiten sei vielmehr essenziell für das menschliche Selbstwertgefühl.
Siegmund reagierte daraufhin scharf und warf den Grünen “puren Neid” auf die mediale Reichweite der AfD vor, da sich für deren “Quatsch” niemand interessiere. Er betonte, die AfD sei online so erfolgreich, weil sie ausspreche, “was die Menschen da draußen denken”. Er warf den Grünen vor, die Belange der arbeitenden Bevölkerung zu ignorieren, während das Bürgergeld den Staat etwa 50 Milliarden Euro koste.
Die hitzige Debatte unterstreicht die tiefe politische Spaltung beim Thema Sozialstaat. Während die AfD sich als Anwältin der “vergessenen Leistungsträger” positioniert, werfen ihr die anderen Fraktionen eine bewusste Verfälschung von Fakten (“Fake News”) und eine Spaltung der Gesellschaft zu Propagandazwecken vor.
