Im Zentrum des hitzigen Schlagabtauschs, der von Kommentatoren als symptomatisch für die tiefe politische Spaltung des Landes gewertet wird, standen die Themen Migration, innere Sicherheit und mögliche rechtsextreme Gefahren.
Die Debatte eskalierte, als Siegmund die aktuelle Migrationspolitik scharf angriff. Er forderte eine „Negativmigration“ und die schnelle Abschiebung von Menschen, die sich „nicht benehmen“. Er machte die Zuwanderung seit 2015 für den Verlust der inneren Sicherheit und das Gefühl vieler Bürger, ihre Heimat nicht mehr wiederzuerkennen, verantwortlich. Als Beleg nannte er erhöhte Sicherheitsvorkehrungen bei öffentlichen Veranstaltungen wie Weihnachtsmärkten, die früher nicht notwendig gewesen seien.

Sziborra-Seidlitz hielt vehement dagegen. Sie warf der AfD vor, den Menschen Probleme einzureden, die in Sachsen-Anhalt real nicht in diesem Ausmaß existierten. Sachsen-Anhalt leide vielmehr unter einem demografischen Problem und brauche dringend Migration, um den Fachkräftemangel zu bekämpfen. Sie forderte bessere Ankommensbedingungen, eine schnellere Arbeitserlaubnis und die rasche Anerkennung ausländischer Abschlüsse. Die Grünen-Politikerin trennte das Thema der inneren Sicherheit strikt von der Migration und verwies auf historische rechtsextreme Anschläge (wie das Oktoberfest-Attentat), die ebenfalls Sicherheitsmaßnahmen notwendig gemacht hätten.
Ein weiterer Streitpunkt war die Forderung der AfD nach sogenannten „Bürgerwachten“. Siegmund argumentierte, diese seien als Zusammenarbeit mit Ordnungsämtern gedacht, um bei der Verfolgung von Delikten zu helfen, da die Polizei überlastet sei. Sziborra-Seidlitz wies diesen Vorstoß scharf zurück, unterstellte Assoziationen mit bewaffneten Gruppen (“mit dem Baseballschläger”) und lehnte eine solche Form der zivilen Sicherheitsstrukturen ab.
Die hitzige Atmosphäre wurde durch Vorwürfe mangelnden Realitätssinns auf beiden Seiten verstärkt. Siegmund warf der Grünen-Politikerin vor, die Augen vor den massiven Problemen durch Kriminalität und gescheiterte Integration zu verschließen und immer wieder reflexartig den Begriff “rechtsextrem” in die Debatte zu werfen. Sziborra-Seidlitz wiederum betonte, die entscheidende Frage der kommenden Wahl sei, ob Sachsen-Anhalt weiterhin eine demokratische Regierung behalte oder von “Rechtsextremen regiert wird”.
Das TV-Duell verdeutlicht die harte Konfrontationslinie zwischen der in Umfragen führenden AfD und den Grünen, die in Sachsen-Anhalt um den Wiedereinzug in den Landtag kämpfen. Beobachter sehen in der Diskussion einen Vorgeschmack auf die noch folgenden Auseinandersetzungen in den letzten Tagen vor der Landtagswahl.
