Weidels Rede, in der sie ein drastisches Bild der aktuellen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Lage Deutschlands zeichnete, wurde von starken emotionalen Reaktionen im Plenum begleitet und forderte Parlamentsvizepräsidentin Julia Klöckner (CDU) mehrfach zur Ermahnung zur Ruhe heraus.

Im Kern ihrer Ausführungen machte Weidel die amtierende Koalition sowie die Union für eine angebliche “Deindustrialisierung” und den “Niedergang” der deutschen Wirtschaft verantwortlich. Sie nannte als konkrete Beispiele die Krise bei Volkswagen mit drohenden Werksschließungen und den massiven Stellenabbau beim Chemiekonzern BASF in Ludwigshafen. Die AfD-Chefin kritisierte scharf die sogenannte Energiewende, die sie als “Mühlstein” bezeichnete, der die Wirtschaft erdrücke. Die Sprengung von Kohlekraftwerken und die Abschaltung der Kernkraft nannte sie eine “energiepolitische Geisterfahrt”. In Anbetracht knapper werdender Gasspeicher warnte Weidel eindringlich vor einer existenziellen Gasversorgungskrise im kommenden Winter und forderte eine Rückkehr zum Import von russischem Pipeline-Gas.
Ein weiterer Schwerpunkt der hitzigen Rede lag auf der Migrationspolitik. Weidel warf der Regierung vor, die Migrationskrise wider besseres Wissen für beendet erklärt zu haben, während weiterhin massiv Menschen über das Asylsystem und den Familiennachzug nach Deutschland kämen. Sie konstatierte eine “massive Zunahme von Kriminalität”, “verwahrlose Stadtbilder” und “unsichere Straßen” als direkte Folge der Zuwanderung. Hart ins Gericht ging sie mit der Auszahlung von Sozialleistungen, dem sogenannten Bürgergeld, das sie als ein System bezeichnete, das Zuwanderer “verhätschelt”, während die arbeitende und steuerzahlende Bevölkerung “ausgeplündert” werde.

Den Unionskanzlerkandidaten Friedrich Merz griff Weidel direkt an. Sie warf ihm vor, die Botschaft der Wähler nach der jüngsten krachenden Niederlage der CDU bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt nicht verstanden zu haben. Die Menschen, so Weidel, wünschten sich einen fundamentalen Politikwechsel, den nur die AfD herbeiführen könne. Sie forderte radikale Einschnitte: Den Abbau von “Klimaschutz- und Transformationsprogrammen”, eine drastische Kürzung von Entwicklungshilfegeldern und Zahlungen an die EU sowie einen konsequenten Abschiebekurs. Weidel zeigte sich angesichts der jüngsten Wahlerfolge in Ostdeutschland siegessicher und prognostizierte für die kommenden Wahlen einen klaren Regierungsauftrag für die Alternative für Deutschland.
Besondere Aufmerksamkeit abseits des inhaltlichen Schlagabtauschs erregte eine Anweisung von Bundestagsvizepräsidentin Julia Klöckner kurz vor Beginn der Rede. Klöckner ermahnte die Besucher auf den Tribünen, ihre Mobiltelefone vollständig auszuschalten und das Filmen zu unterlassen – eine Maßnahme, die in sozialen Netzwerken umgehend kritische Diskussionen über die Transparenz parlamentarischer Debatten auslöste. Im Anschluss an Weidels Rede übernahm Bundeskanzler Friedrich Merz das Wort.
