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Annalena Baerbock wird Professorin an der Columbia University – neuer Karriereschritt sorgt für politische Debatte

Annalena Baerbock steht vor einem neuen beruflichen Abschnitt: Die frühere deutsche Außenministerin und amtierende Präsidentin der 80. UN-Generalversammlung wird im akademischen Jahr 2026/27 an der Columbia University in New York tätig sein. Die Universität bestätigte ihre Berufung offiziell.

Baerbock übernimmt an der School of International and Public Affairs, kurz SIPA, eine Position als „Professor of Professional Practice“. Zusätzlich soll sie als stellvertretende Leiterin des Masterprogramms „Global Leadership“ tätig werden. Damit handelt es sich ausdrücklich um eine praxisorientierte Professur.

Die Universität begründet die Berufung vor allem mit Baerbocks internationaler politischer Erfahrung. Vor ihrer Tätigkeit bei den Vereinten Nationen war sie von Dezember 2021 bis Mai 2025 deutsche Außenministerin und zuvor Bundestagsabgeordnete sowie Bundesvorsitzende der Grünen.

Die Bezeichnung „Professorin“ kann dabei allerdings leicht zu einer falschen Vorstellung führen. Baerbock wird nicht als klassische Forschungsprofessorin mit einer wissenschaftlichen Karriere berufen. Columbia ordnet ihre Position ausdrücklich dem Bereich „Professional Practice“ zu, also der praxisorientierten akademischen Lehre.

Gerade dieser Punkt ist für die politische Diskussion entscheidend. Die Berufung ist nicht mit einer wissenschaftlichen Professur gleichzusetzen, bei der eine umfangreiche Forschungs- und Publikationstätigkeit im Mittelpunkt steht. Stattdessen soll Baerbock ihre Erfahrungen aus Politik und internationaler Diplomatie in die Ausbildung einbringen.

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Bildunterschrift: Annalena Baerbock während ihrer Tätigkeit als Präsidentin der 80. UN-Generalversammlung.
Bildquelle: UN Photo/Manuel Elías; Columbia University, öffentlich verfügbare Aufnahmen.

Das von Columbia genannte Programm „Global Leadership“ richtet sich an Studierende, die internationale Führungsaufgaben anstreben. Baerbock soll dort drei neue Lehrveranstaltungen in ihrem Fachgebiet anbieten. Welche konkreten Inhalte diese Kurse haben werden, wurde von der Universität bereits grundsätzlich angekündigt.

Der berufliche Weg Baerbocks ist dabei tatsächlich ungewöhnlich. Sie studierte Politikwissenschaft an der Universität Hamburg und erwarb anschließend einen Master of Laws an der London School of Economics. Eine zunächst begonnene Promotion im Völkerrecht an der Freien Universität Berlin schloss sie nicht ab.

Ihre akademische Qualifikation ist damit von ihrer politischen Berufserfahrung zu unterscheiden. Die Columbia-Position beruht nach den Angaben der Universität gerade auf der Verbindung zwischen akademischer Ausbildung und praktischer Erfahrung in internationalen politischen Institutionen.

Kritiker dürften dennoch auf frühere Kontroversen um Baerbocks Lebenslauf verweisen. Im Bundestagswahlkampf 2021 wurden mehrere Angaben auf ihrer persönlichen Website verändert oder präzisiert. Der ARD-Faktenfinder dokumentierte damals unter anderem Anpassungen bei Angaben zu Mitgliedschaften und Tätigkeiten.

Dabei ist allerdings eine differenzierte Betrachtung notwendig. Aus den damaligen Korrekturen lässt sich nicht ableiten, dass Baerbock ihre akademischen Abschlüsse erfunden hätte. Ein Faktencheck von Correctiv bewertete entsprechende Behauptungen über ein angeblich „gekauftes“ Studium als größtenteils falsch.

Auch die damaligen Plagiatsvorwürfe müssen präzise eingeordnet werden. Der Medienwissenschaftler Stefan Weber kritisierte 2021 mehrere Passagen in Baerbocks Buch „Jetzt. Wie wir unser Land erneuern“ und sprach von nicht ausreichend gekennzeichneten Übernahmen. Die Vorwürfe bezogen sich jedoch auf ein politisches Sachbuch, nicht auf eine wissenschaftliche Dissertation.

Die Grünen wiesen die damaligen Vorwürfe zurück. Zugleich relativierte Weber selbst Teile seiner Kritik und erklärte, bei den beanstandeten Stellen handle es sich nicht um etwas besonders Schwerwiegendes. Eine pauschale Gleichsetzung der damaligen Kontroverse mit wissenschaftlichem Fehlverhalten wäre deshalb nicht sachgerecht.

Politisch interessanter ist deshalb die Frage, welche Erfahrungen Baerbock tatsächlich in ihre neue Rolle einbringen kann. Seit September 2025 steht sie der 80. Generalversammlung der Vereinten Nationen vor. Sie war damit die erste Frau aus der westeuropäischen Regionalgruppe, die dieses Amt übernahm.

Ihre Wahl war mit 167 Stimmen bei einer geheimen Abstimmung deutlich. Die deutsche Diplomatin Helga Schmid erhielt sieben Stimmen, 14 Delegationen enthielten sich. Baerbocks Präsidentschaft fällt zugleich in eine Phase erheblicher internationaler Spannungen und eines schwierigen multilateralen Umfelds.

Die UN selbst beschreibt Baerbock als Befürworterin des Multilateralismus, der Menschenrechte und internationaler Zusammenarbeit. Während ihrer Amtszeit hat sie sich unter anderem mit Fragen der internationalen Krisenbewältigung, der Entwicklungspolitik und der Zukunft der Vereinten Nationen beschäftigt.

Damit verfügt sie zweifellos über politische Erfahrungen, die für ein praxisorientiertes Leadership-Programm relevant sein können. Ihre Tätigkeit als Außenministerin und anschließend als Präsidentin der Generalversammlung bietet einen Einblick in internationale Verhandlungen, multilaterale Institutionen und politische Entscheidungsprozesse.

Gleichzeitig bleibt die politische Bewertung ihrer früheren Amtsführung umstritten. Kritik an Baerbocks Außenpolitik kam während ihrer Ministerzeit aus unterschiedlichen politischen Lagern. Solche politischen Kontroversen sind jedoch von der Frage zu trennen, ob ihre internationale Erfahrung für eine praxisorientierte Lehrtätigkeit relevant ist.

Auch ihre Tätigkeit bei den Vereinten Nationen ist nicht frei von politischer Kritik. Im Februar 2026 sprach Baerbock selbst bei einer Pressekonferenz über den Krieg in der Ukraine und die Herausforderungen für das multilaterale System. Die Positionen der UN-Präsidentin stehen dabei naturgemäß im Zentrum internationaler politischer Debatten.

Entscheidend ist deshalb, was Columbia mit der Berufung bezweckt: Die Universität holt keine klassische Wissenschaftlerin aus einem Forschungsinstitut, sondern eine ehemalige Regierungschefin des deutschen Außenressorts und amtierende UN-Funktionsträgerin in ein praxisorientiertes Ausbildungsprogramm.

Die Berufung ist somit weder automatisch ein akademischer Ritterschlag für Baerbocks gesamte politische Bilanz noch ein Beleg dafür, dass frühere Kritik an ihrer Person unbegründet gewesen wäre. Sie ist zunächst eine institutionelle Entscheidung Columbias, ihre internationale Erfahrung für die Lehre zu nutzen.

Politisch dürfte die Personalie dennoch für Diskussionen sorgen. Baerbocks Karriere führt sie innerhalb weniger Jahre von der deutschen Parteipolitik über das Auswärtige Amt und die Vereinten Nationen an eine der bekanntesten Universitäten der Vereinigten Staaten.

Am Ende steht daher weniger die Frage, ob Baerbock „plötzlich Professorin“ geworden ist, sondern welche Bedeutung diese Professur tatsächlich besitzt. Columbia beschreibt sie eindeutig als praxisorientierte Professorin und Leadership-Expertin – und genau in dieser Funktion wird ihre internationale Erfahrung künftig akademisch genutzt.

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