Chrupalla nutzte seine Redezeit anschließend für eine fundamentale Abrechnung mit der Regierungspolitik der Ampel-Koalition und den wirtschaftlichen Forderungen der Union.
Im Zentrum von Chrupallas Kritik stand die wirtschaftliche Lage Deutschlands, die er als katastrophal beschrieb. Er warf der Bundesregierung vor, die Interessen der heimischen Wirtschaft zu vernachlässigen und die fortschreitende Deindustrialisierung des Landes tatenlos hinzunehmen. Mit Blick auf internationale Handelsabkommen, insbesondere mit Indien, warnte er vor der Verlagerung von Arbeitsplätzen ins Ausland. Er zitierte alarmierende Zahlen: Im Jahr 2025 hätten 188.000 Firmen in Deutschland schließen müssen, darunter 5.500 Arztpraxen. Als Hauptgründe nannte er zu hohe Energiekosten, überbordende Bürokratie und den Fachkräftemangel.

Besonders drastisch schilderte der AfD-Politiker den Braindrain: Allein im vergangenen Jahr seien 300.000 Menschen aus Deutschland ausgewandert, wovon 75 Prozent einen Hochschulabschluss besaßen. Er forderte Kanzler Olaf Scholz auf, die Rahmenbedingungen so zu ändern, dass Deutschland für Fachkräfte und Industrieunternehmen wieder attraktiv werde, anstatt als “Außenkanzler” internationale Krisen zu kommentieren. Er forderte Scholz zudem auf, für Friedensverhandlungen mit Russland (“rufen Sie in Moskau an”) einzutreten.
Scharfe Angriffe richtete Chrupalla auch gegen die CDU/CSU-Fraktion. Er warf der Union vor, mit ihren Plänen, die Teilzeitarbeit einzuschränken oder gar zu verbieten, zutiefst undemokratisch und ungerecht zu handeln. Eine solche Politik sei Ausdruck politischer Ohnmacht und würde Familien mit Betreuungspflichten massiv benachteiligen. Er appellierte stattdessen an die Eigenverantwortung und forderte mehr Respekt für den hart arbeitenden Mittelstand.
Abschließend griff der AfD-Chef die SPD frontal an. Er warf der Sozialdemokratie vor, ihre Wurzeln als Arbeiterpartei verraten zu haben. Durch die Zusammenlegung von Sozialleistungen (Bürgergeld) würden falsche Anreize gesetzt und “Pullfaktoren” für die Einwanderung in die Sozialsysteme geschaffen. Dies belaste die arbeitende Bevölkerung unverhältnismäßig. Chrupalla prognostizierte der SPD bei den anstehenden Landtagswahlen schwere Niederlagen und forderte einen grundlegenden Politikwechsel.
Das Verlassen des Plenums durch Oppositionsführer Friedrich Merz verdeutlichte einmal mehr die tiefe politische Kluft und die harte Konfrontationslinie zwischen der Union und der AfD im parlamentarischen Alltag.
