In der europäischen Politiklandschaft bahnt sich ein  politisches Erdbeben an, dessen Ausmaße die Grundfesten der Europäischen Union erschüttern könnten. Während man in Brüssel nach dem Machtwechsel in Ungarn auf eine gemäßigtere, pro-europäische Linie hoffte, macht der neue Premierminister Péter Magyar nun unmissverständlich klar: Ein „Weiter so“ unter dem Diktat der EU-Kommission wird es mit ihm nicht geben. In einer gestrigen Rede, die international für Aufsehen sorgte, formulierte Magyar eine deutliche Kampfansage, die viele Beobachter sprachlos zurücklässt. Er setzt nicht nur den Kurs seines Vorgängers Viktor Orbán fort, sondern droht in entscheidenden Punkten sogar mit einer noch restriktiveren Haltung .

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Die Blockade der Ukraine-Hilfen und des EU-Beitritts

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Einer der zentralen Streitpunkte zwischen Budapest und Brüssel ist die Unterstützung der Ukraine. Magyar stellte klar, dass sich Ungarn unter seiner Führung weiterhin nicht an den gemeinschaftlichen EU-Finanzhilfen für Kiew beteiligen werde. Er blockiert zudem entschieden den beschleunigten Beitritt der Ukraine zur Europäischen Union. Seine Begründung ist dabei ebenso pragmatisch wie provokant: Ein Land, das sich im aktiven Kriegszustand befindet, könne unmöglich Teil der Union werden, da weder echte Verhandlungen noch die notwendigen Prüfungen der Beitrittskapitel unter diesen Umständen durchführbar seien . Für die EU-Kommission unter Ursula von der Leyen, die eine schnelle Integration Kiews forciert, ist diese Haltung ein herber Rückschlag.

Energiepolitik: „Wir schießen uns nicht ins eigene Bein“

Besonders brisant ist Magyars Position zur Energieversorgung. Entgegen früherer Wahlversprechen, die russischen Energieimporte langfristig auslaufen zu lassen, betonte er nun, dass Ungarn weiterhin das „billigste verfügbare Öl“ beziehen werde – und das kommt aus Russland. Magyar argumentiert hier rein rational im Interesse der ungarischen Wirtschaft und der privaten Haushalte. Er wolle vermeiden, dass die Energiepreise explodieren, wie es derzeit in anderen europäischen Ländern zu beobachten sei . „Ich verstehe die moralischen Fragen, aber schießen wir uns nicht ins eigene Bein“, konstatierte er trocken in Bezug auf die Sanktionen gegen Moskau. Er forderte sogar, die Sanktionen sofort aufzuheben, sobald der Krieg endet, um den wirtschaftlichen Schaden für Europa zu begrenzen .

Migration: Eine Festung wird noch stärker gesichert

In der Migrationsfrage zeigt Magyar eine Härte, die selbst die  Politik von Viktor Orbán in den Schatten stellen könnte. Er lehnt den EU-Migrationspakt sowie jegliche Verteilungsmechanismen für Flüchtlinge strikt ab. Der bestehende Grenzzaun im Süden des Landes soll nicht nur bleiben, sondern weiter verstärkt werden, um jede „Lücke zu flicken“ . Magyar betonte, dass Ungarn bereit sei, durch die Entsendung von Grenzschützern zur Verteidigung der Außengrenzen anderer Länder beizutragen, aber keine irreguläre Migration im eigenen Land dulden werde. Die täglichen Strafzahlungen von einer Million Euro, die der Europäische Gerichtshof verhängt hat, sieht er als Problem, das durch strikte Einhaltung nationaler Sicherheitsinteressen gelöst werden müsse – ohne dabei Migranten ins Land zu lassen .

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Ein diplomatisches Spiel mit Moskau

Auch im diplomatischen Umgang mit dem Kreml schlägt Magyar Töne an, die in Brüssel auf massiven Widerstand stoßen. Er erklärte seine Bereitschaft, direkt mit Wladimir Putin zu telefonieren, sollte dieser anrufen. Zwar sehe er ein solches Gespräch skeptisch hinsichtlich eines schnellen Friedensschlusses, doch die Gesprächsbereitschaft an sich signalisiert eine Unabhängigkeit von der kollektiven EU-Diplomatie . Magyar bleibt bei seiner Linie: Keine Waffenlieferungen, kein Transit von Rüstungsgütern durch ungarisches Gebiet und keine Beteiligung an Ausbildungsmissionen für das ukrainische Militär .

Fazit: Brüssel vor einer Herkulesaufgabe

Die erste Analyse dieses Machtwechsels zeigt deutlich, dass Péter Magyar kein einfacher Partner für die EU sein wird. Im Gegenteil: Er scheint entschlossen zu sein, die ungarische Souveränität mit allen Mitteln zu verteidigen. Für die EU-Kommission stellt sich nun die Frage, wie sie mit diesem „Rebellen“ umgeht. Versuche der finanziellen Erpressung oder des  politischen Drucks könnten Magyar nur noch weiter in seiner Haltung bestärken, da er weiß, dass das ungarische Volk ihn genau für diesen protektionistischen Kurs gewählt hat . Europa steht vor einer Zerreißprobe, bei der Ungarn unter Péter Magyar eine Schlüsselrolle einnehmen wird. Ob es zu einem endgültigen Bruch oder einem mühsamen Kompromiss kommt, werden die nächsten Monate zeigen. Eines ist jedoch sicher: Der neue Mann in Budapest wird sich nicht kampflos dem Willen Brüssels beugen .

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